Rezensionen

NOZ vom 1. OKTOBER 2016

 

 

Nachdenkliches und Ironisches

Von Conny Rutsch

 

Dem Leser huscht ein Schmunzeln über die Lippen, manchmal runzelt er auch die Stirn. Denn die Bücher von Bernd Thye werfen Fragen auf und regen zum Nachdenken an.

 

BUER. „Wenn Du ein Ziel hast, solltest Du Dir für den Weg dahin unbedingt überlegen, wen Du unterwegs eventuell treffen wirst oder nicht treffen möchtest!“ Moment mal, was meint er denn damit, der Dichter dieser Zeilen? Eine Antwort erhält der Leser der Bücher, die der Bueraner Literat und Denker Bernd Thye vorlegt, eher nicht. Oder zumindest liegen die Antworten direkt beim Leser. Gut so.

 

Provokativ

 

Antworten scheinen auf der Welt genügend vorhanden und ausgesprochen zu sein. Bernd Thye lässt es bei den Fragen, provokativen, nachdenklich machenden, eitel erscheinenden oder lächerlich wirkenden.

„...bissig, lustig, ironisch, zynisch, sarkastisch, nachdenklich – aber auch banal...“ – das ist die Unterzeile der beiden Bücher Thyes, die die Titel "Moment mal!" und "Da

kommt noch was" tragen. Die beiden Bände, hochwertig in Fadenheftung gebunden mit Lesebändchen ausgestattet, mag der Leser gerne anfassen, aufblättern und darin gefangen bleiben. Dabei ist es doch auch der Till Eulenspiegelspiegel, in den er schaut oder gar schauen muss.

Wenn es etwa heißt: "Wer hat bei einem Mutterkonzern eigentlich die Vaterschaft über die Tochtergesellschaft?" Wie bitte? Genau, nachdenken ist gefragt und den Sinn bedenken, den Wörter zu vermitteln suchen und doch so manches Mal nur verschütten.

Aber keine Bange, Thyes prägnante Ausdrucksformen kommen zwar hin und wieder als philosophisch deutbare Weisheiten daher, aber saukomisch sind sie mitunter ebenfalls.

"Da glauben einige, sie seien unter einem schlechten Stern geboren. Dabei war die Beleuchtung im Kreißsaal nur auf LED umgestellt." Die mitunter knackigen Sätze, beinahe schüttelreimartig, müssen auch im Kopf ein wenig zurechtgeschüttelt werden.

Dann bleibt einem das Lächeln im Gesicht stehen: "Die Welt ist voll mit Menschen, die nichts anzuziehen haben, und mit Schränken, die manche voll haben mit nichts anzuziehen." Herrlich und nachdenklich stimmend. Dazu passt: "Kleider machen Leute und Kleidermacher fette Beute." Stimmt wohl.

Und etwas Besonderes hat Thye noch in petto. "Ich war schon überrascht, als ich eine Anfrage des Heyne-Verlages bekam, ob man den Titel meines Buches „Da kommt noch was "benutzen dürfe", erzählt er. Auf seine Gegenfrage "Für was denn?" erhielt er eine sehr ungewöhnliche Antwort.

 

Der Heyne-Verlag möchte die deutsche Ausgabe der Biografie von Phil Collins unter Thyes Buchtitel herausgeben. "Nun ist damit kein Geschäft zu machen", sagt "Titelhändler" Bernd Thye, "ich kann mir dafür vielleicht ’ ne Kiste ordentlichen Weins kaufen", grinst er und gibt zu, dass er sich „als "kleiner Provinzautor schon gebauchpinselt fühlt", auch wenn er, wie er sagt, nicht gerade ein Fan von Phil Collins ist, "Peter Gabriel wäre mir lieber gewesen."

Die Bücher sind im Buchhandel oder direkt beim Verlag am Bleistift in Buer erhältlich.